Spezielle Therapieansätze für histologisch definierte Subgruppen aggressiver B-Zell-Lymphome 

Die Therapieergebnisse bei aggressiven B-Zell-Lymphomen stützen sich weitgehend auf die Behandlungsergebnisse bei diffusen großzelligen B-Zell-Lym­phomen. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Prognosen bestimmter Subentitäten deutlich voneinander unterscheiden: so konnte für die immunoblastische Variante des diffusen großzelligen B-Zell-Lym­phoms eine schlechtere Prognose gezeigt werden; das gilt umso mehr für das plasmoblastische Lymphom, das CD20 gering oder gar nicht exprimiert.

 

Biologisch wichtig ist die Einteilung der DLBCL aufgrund ihrer Ursprungszelle: entsprechend ihrem Genexpressionsprofil unterscheidet man DLBCL, die von einer aktivierten B-Zelle (ABC-Typ) und solche die von einer Keimzentrumszelle (GC-Typ) abstammen, wobei GC-DLBCL eine bessere Prognose haben. Tumorbiologische Überlegungen und retrospektive Analysen deuten darauf hin, dass ABC- und GC-Typ ein differenzielles Ansprechen auf bestimmte Substanzen und Substanzkombinationen haben: so soll der ABC-Typ besser auf den Bruton-Tyrosin-Kinase-Inhibitor Ibrutinib, Bortezomib und Revlimid ansprechen, während GC-DLBCL empfindlicher auf den BCL-2-Inhibitor ABT199 reagieren und im Rezidiv besser auf R-DHAP als auf R-ICE ansprechen sollen. Außerhalb von Studien hat die Unterscheidung in GC- und ABC-Typ jedoch noch keine differenzialtherapeutische Konsequenz, und es bleibt festzuhalten, dass es bisher keinen begründeten Hinweis darauf gibt, dass man den prognostischen Nachteil besonderer histologischer oder biologischer Subentitäten durch spezifische therapeutische Maßnahmen verringern oder gar ausgleichen könnte. Solche spezifischen Therapiemaßnahmen können nur identifiziert werden, wenn möglichst viele Subgruppen von aggressiven B-Zell-Lymphomen in große randomisierte Studien eingeschlossen werden, da nur solche Studien eine prospektive kontrastierende Analyse der entsprechenden Subgruppen und die Identifikation von Interaktionen zwischen unterschiedlichen Therapiearmen und histologischen Subtypen erlauben. Solange solche Interaktionen noch nicht identifiziert sind, wäre es deshalb geradezu falsch, Subentitäten mit schlechterer Prognose aus dem großen Pool der aggressiven NHL herauszunehmen und innerhalb besonderer Protokolle zu behandeln, da man sich damit der Chance begäbe, auf Grund entsprechender Interaktionen wohlbegründete differentialtherapeutische Ansätze entwickeln zu können.