DSHNHL führt weltweit einzige Studie zur Vitamin-D-Substitution beim diffus-großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) durch

 

Auf dem diesjährigen Studientreffen der DSHNHL Anfang Mai in Berlin beschlossen die Teilnehmer einstimmig, eine prospektive Studie zur Wirkung einer Vitamin-D-Substitution beim DLBCL durchzuführen. Dies wird im Rahmen eines Amendments („DR.CHOP“) zur OPTIMAL>60 Studie erfolgen.

Hintergrund: Die Arbeitsgruppe um Prof. Pfreundschuh hatte beobachtet, dass von 359 älteren Patienten mit DLBCL in der RICOVER-60 Studie 1 von 359 nur 1 Patient (0,27% !!!) einen nicht erniedrigten Vitamin-D-Spiegel hatte. Dabei verschlechterte ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel die Heilungsrate bei älteren DLBCL-Patienten signifikant, wenn diese Patienten eine Chemotherapie mit CHOP-14 in Kombination mit Rituximab erhalten hatten, nicht jedoch, wenn die Patienten CHOP-14 ohne den CD20-Antikörper bekommen hatten. Bittenbring et al. 2 lieferten hierfür auch eine experimentelle Erklärung: erstmals konnte gezeigt werden, dass ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel die Aktivität der natürlichen Killer (NK)-Zell- und Antikörper- bzw. Rituximab-abhängigen zellulären Toxizität beeinträchtigt, die nach Vitamin-D-Substitution hochsignifikant ansteigt. Dies erklärt auch, dass bei älteren Patienten mit ausgeprägtem Vitamin-D-Mangel das ereignisfreie Überleben nach 3 Jahren durch die Hinzunahme von Rituximab zu CHOP-14 nur um 16% verbessert werden konnte, bei Patienten mit besseren Vitamin-D-Spiegeln dagegen um 31%, also 15% mehr (Abbildung 1). Aufgrund dieser Ergebnisse hoffen wir, dass durch eine Vitamin-D-Substitution die ereignisfreien Überlebensraten in der OPTIMAL>60 Studie nochmals um 15% steigen. Das ist wesentlich mehr als all die neuen „targeted therapies“ erreichen wollen, die derzeit beim DLBLC getestet werden, und das bei Mehrkosten von weniger als 2,00 € pro Monat für Vitamin D im Vergleich zu monatlichen Kosten von selten weniger als 10 000 € pro Monat für die neuen Substanzen.

Vor Beginn der Immunchemotherapie, d.h. spätestens mit dem Beginn der Vorphase-Therapie werden die Vitamin-D-Spiegel gemessen und entsprechend einer Empfehlung der Europäischen Gesellschaft für Endokrinologie 3 rasch aufgesättigt.

Selbstverständlich gibt es bei den niedrigen Kosten für Vitamin D keine Unterstützung für diese Studie durch die Pharmaindustrie. Es ist daher eine einzigartige Gelegenheit, dass wir die Vitamin-D-Substitution im Rahmen der OPTIMAL>60/DR.CHOP-Studie prospektiv prüfen können.

Wir laden daher alle behandelnden Ärzte und Patienten mit einem aggressiven B-Zell-Lymphom ein, an dieser weltweit vielbeachteten Studie teilzunehmen. Nähere Auskünfte erhalten Sie in der DSHNHL-Studienzentrale in Homburg (06841/162-3084; DSHNHL@uks.eu).

 

 Referenzen: 

  1. Pfreundschuh M, Schubert J, Ziepert M et al. Six versus eight cycles of bi-weekly CHOP-14 with or without rituximab in elderly patients with aggressive CD20+ B-cell lymphomas: a randomised controlled trial (RICOVER-60). Lancet Oncol 2008; 9:105-16.
  2. Bittenbring J, Neumann F, Altmann B et al. Vitamin D deficiency impairs rtiuximab-mediated cellular cytotoxicity and outcome of DLBCL patients treated with, but not without rituximab . J Clin Oncol 2014; in press.
  3. van Groningen L., Opdenoordt S, van SA, Telting D, Giesen A, de BH. Cholecalciferol loading dose guideline for vitamin D-deficient adults. Eur J Endocrinol 2010; 162:805-11.

 

 

Abbildung 1: Verbesserung des ereignisfreien Überlebens nach 3 Jahren bei Patienten mit einem ausgeprägten Vitamin-D-Mangel (links) im Vergleich zu Patienten mit besseren Vitamin-D-Spiegeln (rechts). Aus Bittenbring et al. 2