Der Erfolg der DSHNHL-Studien: auch ein Problem

 

Bisher gibt es nur eine Studie, die R-CHOP-21 bei jungen Hochrisikopatienten prospektiv geprüft hat: die „Stiff-Studie“, die Patienten, die nach 5x(R)CHOP-21 eine Remission erreicht hatten, in 3 weitere (R)-CHOP-21 oder eine Hochdosis-Therapie mit autologem Stammzell-Support randomisierte [1]. Im gesamten im New England Journal of Medicine veröffentlichten Paper finden sich keine Angaben zur Gesamtpopulation, so dass man von den gezeigten Kurven sicher noch einmal 20% abziehen muss, um einen Eindruck über die Prognose aller innerhalb des (R)-CHOP-21-Konzeptes behandelten Patienten zu bekommen. (Zwar hat ein Drittel aller Patienten kein Rituximab erhalten, ein junger Hochrisikopatient, der auch ohne Rituximab eine Remission erreicht, stellt aber eine positive Selektion innerhalb der randomisierten Population dar.

Zum Vergleich haben wir die Ergebnisse der Mega-CHOEP-Studie in die Stiff-Kurve projiziert, und es wird deutlich, dass junge Hochrisiko-Patienten mit Mega-CHOEP ein sicher um 30% besseres progressionsfreies Überleben haben. Dieser Vergleich begründet unserer Meinung hinreichend, dass wir es nicht für vertretbar halten, junge Hochrisikopatienten mit R-CHOP-21 zu behandeln.

Leider hat R-CHOP-21 für Pharma-Firmen, die ein neues Produkt prüfen wollen, den Charme, dass es das Schema darstellt, das am einfachsten zu „toppen“ ist. Wir verstehen zwar, dass Studien mit R-CHOP-21 als Vergleichsarm in anderen Ländern durchgeführt werden. Es ist für uns aber nicht nachvollziehbar, weshalb bisher keine Firma bereit war, ihr neues Produkt mit R-CHOEP-14 zu vergleichen. Sollten neue Substanzen wie Obinutuzumab, Ibrutinib oder andere tatsächlich eine signifikante Verbesserung der Therapieergebnisse beim DLBCL bringen, so sollte sich das auch mit R-CHOEP-14 als Vergleichsarm nachweisen lassen.

Angesichts der krassen Unterschiede zwischen R-CHOP-21 und R-CHOEP-14 muss sich jeder Onkologe bewusst sein, was es für seinen jungen Hochrisiko-DLBCL-Patienten bedeutet, wenn er außerhalb einer Studie mit R-CHOP-21 oder im Rahmen einer Studie behandelt wird, die R-CHOP-21 zum Standardarm hat.

Literatur

            Stiff PJ, Unger JM, Cook JR, Constine LS, Couban S, Stewart DA, Shea TC, Porcu P, Winter JN, Kahl BS, Miller TP, Tubbs RR, Marcellus D, Friedberg JW, Barton KP, Mills GM, LeBlanc M, Rimsza LM, Forman SJ, Fisher RI: Autologous transplantation as consolidation for aggressive non-Hodgkin's lymphoma. N Engl J Med 2013;369:1681-1690.